Montag, 29. November 2010

Gute Laune (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28. November 2010)




Kommentare:

  1. "Sara und Rebecka wohnten in Zimmern übereinander und hatten beide sehr viel Kummer. Eines Tages begegneten sie sich auf der Treppe. Sie verstanden einander sofort und... sie begriffen,daß man nicht ständig seinen Kummer hinunterschlucken kann. Seitdem hat Rebecka, die oben wohnt, siebzehn Fläschen auf dem Kaminsims stehn, um darin die Tränen weinen zu können. Jedes Fläschen hat einen Aufkleber. Auf dem einen steht: 'Weil meine Eltern mich nicht haben studieren lassen'. Auf dem zweiten: 'Weil mein Mann mich verlassen hat'. Auf dem dritten: 'Weil ich so allein bin' usw., siebzehn Fläschen in einer Reihe. Sara, die unten wohnt, hat seitdem eine Flasche stehn mit der Aufschrift: Tränen. Nach neun Monaten begegnen sie sich wieder einmal auf der Treppe und setzten natürlich das Gespräch fort: 'Wie steht es mit deinem Kummer?' 'Es war eine ganze Menge', sagte Sara, 'meine Flasche ist ganz voll. Welch Erleichterung!' 'Meine siebzehn Fläschen sind noch trocken', sagte Rebecka. 'Wenn ich merke, daß mir die Tränen kommen, versuch ich gleich festzustellen, warum ich weinen muss, damit ich weiß, in welches Fläschen sie gehören. Aber wenn ich das richtige -Weil- und die dazugehörige Flasche im Auge habe, ist weit und breit keine Träne mehr vorhanden.'"

    aus "Gras unter meinen Füßen" von Bruno-Paul de Roeck

    AntwortenLöschen